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Magia del Bosque
 - Magie des Waldes

Ausstellung Magia del Bosque - Magie des Waldes

Datum
24.11.2007 bis 26.01.2008
Ort
Galerie ARAUCO
Trödelmarkt 13
90403 Nürnberg

Impressionen

Jahrhunderte lang war die Doppelrolle der Natur als Quelle der Anregung und Lehrmeisterin der Kunst unumstritten. Als um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert der Siegeszug von Naturwissenschaft und Technik es dem Menschen ermöglichte, die Ressourcen des Planeten Erde fast schrankenlos für sich zu nutzen, geriet das Verhältnis der Kunst zur Natur in eine Krise, - auch wenn eine Gefährdung der Natur selbst unmittelbar noch nicht absehbar war.

Der Mensch ist nun an der Veränderung der Erde offensichtlich beteiligt.

Was einerseits Wohlstand und Reichtum garantiert, kann zugleich auch eine globale Bedrohung sein. Und was einst als Erfüllung des biblischen Auftrags verstanden werden konnte, nämlich der Mensch habe sich die Natur Untertan zu machen, erweist sich heute oft als verhängnisvolles Tun.

Und so verbindet sich mit der Natur fast selbstverständlich die Vorstellung der Krise.

Und von der Kunst wird mit einigem Recht erwartet, dass sie darauf reagiert.

Der chilenische Künstler Fernando Tejeda tut dies unbeirrt seit vielen Jahren.

Seit Tejeda Chile im Jahr 1976 in Richtung Deutschland verließ, thematisierten seine Bilder immer wieder die eigene Geschichte, die schmerzhaften Erfahrungen in der Heimat. In Chile wurden infolge des Militärputsches durch den General Pinochet 1973 Ausstellungen mit seinen Bilden verboten und viele seiner Arbeiten zerstört. Kunst wurde für Fernando Tejeda immer mehr Engagement, ein Reflex auf politische und gesellschaftliche Missstände weltweit.

Der Künstler kehrt mit Beginn des Demokratisierungsprozesses nach Chile und in seinen Heimatort Antuco, einem Dorf am Fuße des gleichnamigen Vulkans im Süden des Landes zurück. Er findet die dortigen Wälder, die er als Kind durchstreift hatte, nahezu zerstört vor: Abgeholzt für den Export nach Japan und Europa.

Sein Zorn und seine Verzweiflung über die Zerstörung der Wälder führen dazu, dass sich Tejeda seit den frühen 90er Jahren mit der Ausbeutung und der Vernichtung der Naturressourcen nicht nur für seine Heimat auseinandersetzt.

Es entstehen die expressiven Bilder seines mehrteiligen Zyklus "Die Wälder von Antuco". Ein Plädoyer für die Erhaltung des gleichnamigen Naturschutzgebietes.

Mit wütendem Pinselstrich und verschwenderischem Farbauftrag dokumentiert der Künstler die Zerstörung einst üppiger Vegetation durch Menschenhand. Krass zeichnet er die Kluft zwischen der lebendig-grünen Natur seiner Kindheit und der morbiden Ödnis in den Wäldern der Gegenwart. Der lebende Baum wird zum düsteren Objekt, zum Symbol seiner Zerstörung.

Von was erzählen nun die Bilder dieser Ausstellung?

Antuco ist eine Verbindung von Antu = Sonne und co = Wasser: Es ist eine Wortschöpfung der dort ehemals lebenden Pehuenche-Indianer: Die Kraft der Sonne und der Reichtum des Wassers ließen prächtige und riesige unüberschaubare Flächen von Wäldern wachsen.
Und mittendrin der Vulkan Antuco, knapp 3000 Meter hoch.

Wie nun aber kann man über die Bilder von Tejeda über Antuco sprechen und sie verstehen, wenn man das Vorbild selbst nicht kennt? Man bemüht die Aussagen derer, die schon dort gewesen sind. Zunächst liest man klassische Reiseführer und schaut sich die Fotografien darin an. Aber so richtig will sich ein Gefühl für die Landschaft nicht einstellen!

Erst die Reisebeschreibungen des Naturwissenschaftlers und Professors an der Universität zu Leipzig, Eduard Poeppig, vermitteln eine Annäherung an das, was Tejeda in seinen Bildern ausdrückt.

Poeppig reiste zwischen 1827 und1832 nach Peru und Chile, um dort naturhistorische Studien zu betreiben. 1828 kam er in die Anden und das Tal von Antuco, besuchte das gleichnamige Dorf und erforschte sehr intensiv den Vulkan.

Poeppig schwärmt leidenschaftlich:

"Der herrlichste und ewig neue Gegenstand der Landschaft bleibt aber immer der Vulkan. ...Man wird nicht müde, die vielen Erscheinungen zu beobachten, die bald von den verschiedenen Brechungen des Lichts auf ihm hervorgebracht werden, bald wieder von der großen Tätigkeit, die in seinem Inneren herrschen mag, zeugen. Hoch schießt zuweilen eine Rauchmasse aus einer Mündung empor, als ungeheure kohlschwarze Säule, ...und ein anderes mal kräuselt sich friedlich, oft mit kaum bemerkbarer Bewegung, das weiße Wölkchen aus der Mündung empor, welches auf neue Ruhe im Inneren deutet. Zu jeder Tageszeit ist der Anblick dieses Berges neu, allein am interessantesten, wenn die Sonne hinter ihm aufgeht und seine regelmäßigen Umrisse vergoldet, oder wenn die Abendsonne ihn erleuchtet."

Durch eine expressiv-dynamische Choreographie an Farben und Formen, lässt Fernando Tejeda uns das spüren, was hier beschrieben wurde.

Und es ist das besondere Licht: Das Licht, das dem Vulkan und dem ihm angrenzenden See sowie den Wäldern zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten einen ganz eigenen Glanz verleiht.

Für Poeppig war es "ein Schauspiel, das niemand je mit Worten zu beschreiben vermöge, und das den größten Meister aller Maler zur Verzweiflung bringen müsste, denn das was irgend das Licht des Mondes, des wiederglänzenden Schnees, des vulkanischen Feuers und der Abendsonne einzeln Großartiges hervorzubringen vermögen, vereinigt sich hier zu einem Ganzen".

Früher bestimmte die Kraft der Natur das Denken der Menschen, heute müssen wir uns manches Mal fragen, ob wir als ihr Treuhänder versagt haben.

Doch betrachtet man die Bilder von Fernando Tejeda, gilt noch immer, was Vincent van Gogh einst über das Verhältnis von Natur und Kunst festgestellt hat:

"So ist es doch die Erregung, die Ehrlichkeit des Naturempfindens, die dem Künstler die Hand führt."

Mit Lust an der Farbe, mit einem Feuerwerk an Phantasie, Reduktion auf das Wesentliche stellt Fernando Tejeda die Landschaft von Antuco dar. Er ermöglicht mit seinen Bildern, dass, - wie es Paul Gaugin einst emphatisch geäußert hat - "...alles atmet".

So wird aus der Kunst mehr als ein visuelles Erlebnis. Wir sehen in ihr das Element, aus dem wir kommen und immer noch lässt uns die wunderbare Vielfalt der Natur staunen. Doch im Erleben erkennen wir ihre leise Sprache, die uns auf die Gefährdung hinweist. Daraus wächst Erkenntnis und eine Vorstellungskraft, die Mut macht, Gefühle zu zeigen und zu träumen.

Lassen Sie sich von der Dynamik solcher Gefühle in den Bildern von Fernando Tejeda mitreißen.

Dr. Petra Skiba
Kunsthistorikerin und Kuratorin

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