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"Es bringt ja nichts, immer zu weinen, und deswegen male ich jetzt das, was verloren geht - die Schönheit der Natur", sagt der chilenische Künstler Fernando Tejeda, der mit bunten Farben gegen die Zerstörung der Wälder kämpft.
"Es bringt ja nichts, immer zu weinen, und deswegen male ich jetzt das, was verloren geht - die Schönheit der Natur", sagt der chilenische Künstler Fernando Tejeda, der mit bunten Farben gegen die Zerstörung der Wälder kämpft.

Ein Farbenrausch gegen die Naturzerstörung

Zeitgenössische Kunst aus Lateinamerika im Rathaus

Nürnberg  - Lateinamerika ist ein Kontinent voller Gegensätze: geprägt von der extremen Armut in den Favelas und dem Reichtum einiger weniger sowie den überquellenden, lärmenden Großstädten und den unberührten Regenwäldern des Dschungels. Das Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg hat nun zusammen mit dem deutsch-lateinamerikanischen Kulturzentrum CECLAM e.V. und der Galerie Arauco eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst aus Lateinamerika organisiert.

In der Ehrenhalle des Rathauses präsentieren fünf Künstler ihre Werke - jeder beschäftigt sich auf seine ganz eigene Weise mit dem Kontinent Südamerika: Die Argentinierin Vanina Rodriguez hat, ausgehend von einer indianischen Sprache, ein neues Alphabet entwickelt und präsentiert dies auf fünf sogenannten "Gesetzestafeln" in Aquarell. In den bläulichen Schriftlinien zeigt sich die Vergangenheit des Landes, doch die Unverständlichkeit der Zeichen weist gleichzeitig auch darauf hin, dass diese Vergangenheit nicht fassbar ist und immer ein Stück weit verschlüsselt bleiben wird.

Auch in die Werke der Künstlerin Jamile do Carmo fließt die Vergangenheit Lateinamerikas mit ein, die geborene Brasilianerin spielt in ihren Gemälden mehrfach mit den Farben Gold und Silber. Diesen Glanz versteht die 38-Jährige als Symbol für die Eroberung der Spanier, die wegen eben dieses Goldes nach Lateinamerika gekommen waren. Der Gegensatz zwischen dem Materialeinsatz von schimmerndem Gold und Silber auf der einen sowie nüchternem Karton auf der anderen Seite weist auf die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich in den südamerikanischen Ländern hin. In ihren ornamenthaft wirkenden Bildern macht die Künstlerin so auf soziale Missstände aufmerksam, gerne beschäftigt sich Carmo aber auch mit der Thematik der Identität. Diese Werke zeigen stets Frauen, "da in Lateinamerika die Frauen, wo man hinschaut, unterrepräsentiert sind, immer geht es nur um die Männer - in meinen Bildern ist das anders", erklärt die Künstlerin. Auf dem Gemälde "aufgebaute Identität" krümmt sich eine Frau vor Schmerzen, ihr Blick ist auf den Boden gerichtet. Diese Körperhaltung drückt laut Carmo aus, welch schwieriger Prozess der Identitätsfindung in Lateinamerika zugrunde liegt: "Durch die Kolonialsierung hatten wir unsere eigene Identität verloren, wir mussten uns erst wieder eine aufbauen."

Genau wie bei Carmo nimmt auch in den Bildern von Carmina Velasco die Frau eine wichtige Rolle ein. Die Künstlerin ist in La Paz aufgewachsen und hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert. Die 38-Jährige stammt, wie sie selbst sagt, aus einer "Frauenfamilie" und zeigt die Frau in ihren Werken daher stets stark und unangreifbar - ob als Gallionsfigur oder als Weberin mit kämpferisch wirkenden Hörnern im Haar. "Da ich tagsüber ganz Mama bin und nur nachts arbeite, strahlen die Bilder zudem die nächtliche Ruhe aus, die mich bei der Arbeit umgibt." Die Farbwahl ist daher auf allen Gemälden eher dezent und gedeckt gehalten, um die besondere Stimmung des nächtlichen Schaffens einzufangen.

Wenn Velasco vor der Leinwand steht, lässt sie sich ganz von ihren eigenen Empfindungen leiten, "ich verstehe meine Gemälde als Botschaften an mich selbst". Berto Hernandez beschäftigt sich in seinen Holzplastiken sowohl mit persönlichen Inhalten wie der romantischen Liebe, als auch mit den Problemen des lateinamerikanischen Kontinentes: Zu einer in die Höhe ragenden Holzskulptur aneinandergereihte Fische sollen seinen Protest gegen die anhaltende Verschmutzung der Meere ausdrücken. Vor allem interessiert sich der Künstler aber für die Thematik der Mythologie. Diese ist in der lateinamerikanischen Kultur tief verwurzelt, und so schnitzt der geborene Kubaner Skulpturen, die Sagengestalten wie die Hesperiden, Pegasus oder die Medusa zeigen. Die Arbeit mit Holz bedeutet für Hernandez,n Kontakt mit den eigenen ursprünglichen Wurzeln zu treten - "in Holz kann ich mich am besten ausdrücken".

Der Künstler verarbeitet in seinen Werken jedoch nur Bäume, die durch natürliche Ursachen wie Blitzeinschläge oder Stürme gefallen sind, um das immer mehr um sich greifende Waldsterben in Lateinamerika nicht zu unterstützen. Eben dieses Waldsterben beschäftigt Fernando Tejeda. Der geborene Chilene widmete sich früher eher erotischen Motiven und menschlichen Darstellungen, doch die zunehmende Zerstörung der Wälder in Chile ließ den Künstler nicht los und führte ihn hin zu Naturmotiven. Anfangs drückte Tejeda in seinen Ölgemälden vor allem seine Trauer aus, depressive Farben wie Schwarz und Grau beherrschten die Bildfläche. "Doch es bringt ja nichts, immer zu weinen, und deswegen male ich jetzt das, was verloren geht - die Schönheit der Natur." Heute strahlen dem Betrachter von Tejedas Werken daher bunte und intensive Farben entgegen, die Gemälde wirken lebensfroh. Die farbkräftigen Bilder entstehen zum Teil in seinem Atelier in Frankfurt, aber auch in seinem zweiten Studio in Antuco, wo der Künstler stets einige Monate im Jahr verbringt. Das kleine Dorf liegt nahe seiner Heimatstadt Los Angeles, wo Tejeda bereits im Jugendalter seine Künstlerkarriere begann. Allerdings war seine Kunst damals vom autoritären Regime Chiles nicht gerne gesehen und die Ausstellungen wurden regelmäßig zerstört.

Genau dies hat Tejeda aber die Kraft gegeben, als Künstler weiterzuarbeiten, sagt er heute: "Ich dachte mir, wenn Soldaten gegen meine Kunst kämpfen, dann muss sie wirklich gut sein."

NZ, Nürnberg & Region

Nürnberger Zeitung
11.08.10

Künstler

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