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Héctor

Künstler Héctor Viveros Le-Borgne

Héctor Guillermo Viveros Le-Borgne: Chilenische Botschaft

Die Ausstellung mit Bildern von Guillermo Viveros lenkt den Blick des Betrachters über eine große Zeitspanne. Fast ist es eine Retrospektive, auch wenn die Räume eine solche nur beschränkt zulassen. Viele Bilder haben Platz gefunden, nicht zuletzt, weil der Künstler in bescheidenen Dimensionen arbeitet. Seine Gemälde drängen sich nicht auf, machen keinen Lärm, sind nicht farbschreierisch, formenerfüllt oder formatüberwältigend. Und doch besitzen sie eine geradezu magische Anziehungskraft. Überschaubar, mit einem Blick zu erfassen, wahren sie doch ihr Geheimnis. Sie suchen den intimen Kontakt mit dem Betrachter, das nahe Herangehen, das genaue Hinschauen.
Das liegt nicht nur an den Abmessungen, das liegt auch am Médium. Viveros arbeitet in Aquarell. Und wie das Wasser, das seine Farben Gestalt annehmen lässt, haben seine Bilder nichts Festes, Gerades, Genaues, Eindeutiges. Sie leben von der Offenheitf der Frische, der Improvisation und der Intuition. Diese Eigenschaften sind dem Aquarell wesenseigen. Sie begleiten Viveros seit seinen Anfängen als Maler in Chile. Zahlreiche der ausgestellten Blätter sind dort entstanden, andere in Deutschland, Spanien, Griechenland - in Europa also, wo der Künstler vor einem bald Vierteljahrhundert Zuflucht gefunden hat, wie viele andere seiner Landsleute.
Héctor Guillermo Viveros Le-Borgne wurde 1946 im chilenischen Concepción geboren. Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt rund vierhundert Kilometer südlich von der Hauptstadt Santiago de Chile, wo der Fluss Bío-Bío in den Pazifischen Ozean mündet. Dort wuchs der Künstler auf, dort studierte er bei dem Maler Iván Contreras Rodríguez. Er gewann zahlreiche Preise und machte sich vor allem als Aquarellist einen guten Namen. In der Zeit der Unidad Popular von Präsident Salvador Allende malte er mit Julio Escámez auch ein Wandbild im Rathaus der nahe gelegenen Stadt Chillan.
Obwohl Viveros kein politischer Aktivist war, wurde er in der Zeit der Militärdiktatur Pinochets verfolgt. Er wurde verhaftet und gefoltert, angeklagt und bedroht. Schließlich gelang ihm mit Hilfe von Amnesty International die Ausreise nach Deutschland. 1979 kam er nach Berlin. Genauer gesagt: nach West-Berlin. Auch andere chilenische Künstler lebten hier im Exil: Cecilia Boisier, Santos Chávez, Roxana Maas, Emilio Miguel, Christian Olivares, Fernando Urrejola, Carlos de la Vega. Die meisten sind inzwischen in ihr Land zurückgekehrt. Viveros ist geblieben. Gründe dafür gibt es wahrscheinlich so viele wie dagegen. Wurzeln geschlagen hat er nicht. Er lebt in der Kunst. "Mein Beruf ist die Malerei", sagte er bei einem Interview, das 1982 anlässlich der Ausstellung "Kunstquartier. Ausländische Künstler in Berlin" mit ihm geführt wurde. Viveros hat Chile nicht vergessen, und er ist auch dort nicht vergessen worden. In der Presse erscheinen Artikel. Seine Werke hängen in Ausstellungen, und für das nächste Jahr ist eine Wanderausstellung durch seine Heimatprovinz vorgesehen.
Auf den ersten Blick mag es fast befremdlich anmuten, dass ein Künstler aus Chile mit dieser Vergangenheit nichts davon in sein Werk eindringen lässt, nicht darauf reagiert, sich nicht dagegen wehrt. Es ist ein Klischee, chilenische Kunst sei kämpfende Kunst, sei eine Kunst der Solidarität und der Militanz. Das war und ist sie auch. Vor allem aber ist sie eine Kunst, die ihre Freiheit wahrt. Viveros' Freiheit der Kunst findet in der Landschaft statt. Das Erleben der Natur ist für ihn seit seiner Kindheit eine starke und existenzielle Erfahrung. Er hat es selbst einmal eindrücklich geschildert: "Ich bin im Süden von Chile in einer Gegend geboren worden, wo natürliche Umgebung noch einen bestimmenden Einfluss auf die Entwicklung des Menschen und seiner Arbeit ausübt. Man kann in meiner Heimat an der Natur nicht vorbeisehen, vorbeileben, sie spricht zu uns mit den ihr eigenen Mitteln und wird noch gehört." Auch in Europa hat Viveros die Nähe zur Natur immer wieder gesucht. Und er findet sie auch in Berlin-Kreuzberg, wo er seit langem wohnt.
Eine Natur, die von Architektur durchsetzt ist, von urbanen Strukturen, die aber doch in seinen Bildern überall spürbar ist. Malen ist für Viveros eine Schule des Sehens. Und er sieht Natur: Erde, Bäume, Felder, Wiesen, Wasser, Himmel, Wolken. Auch wenn er Stillleben malt, ist ihm die Natur nahe. "Man kann überall Landschaften finden (empfinden) und Landschaften malen. Man kann, wenn man will Obst als Landschaft malen oder eine Person" - so seine eigenen Worte.
Natur ist eben mehr wie Grün. Es ist eine Stimmung, etwas Atmosphärisches, etwas das atmet, das Licht und Luft um sich hat, das von Tönen und Geräuschen erfüllt ist - und von dem Gefühl der Grenzenlosigkeit. Die Landschaft ist der Urraum des Menschen, sie verbindet ihn mit der Schöpfung, mit etwas Höherem. Der Versuch es zu erfassen, kann in verschiedener Form geschehen. Eine dieser Formen ist die Kunst.
Für Viveros ist es die Kunst des Aquarellierens. Eine sehr alte Kunst, die in Europa besonders im 18. und 19. Jahrhundert in England gepflegt wurde und die im ostasiatischen Raum sehr verbreitet ist. Eine Kunst, die großen Aufwandes nicht bedarf, weder in der Herstellung noch in der Aufbewahrung. Eine Kunst des Nomadentums. Eine Kunst des spontanen, schnellen Erfassens, von Künstlern häufig als Skizze oder Vorlage im dienenden Sinne genutzt. Für Viveros besitzt sie hingegen Wert und Gültigkeit in sich. Er wendet sie in Reinform an: keine Bleistifte, Tusche oder Deckfarben als zusätzliche Hilfsmittel, keine Gouachen also, keine lavierten oder kolorierten Zeichnungen, sondern Wasserfarbenbilder, gemalt und gezeichnet mit dem Pinsel. Genauer gesagt, mit Pinseln unterschiedlicher Beschaffenheit und Stärkegrade.
Wasser und Farbe bedürfen eines Grundes, an dem sie sich festhalten können. Auch dieser Grund - Papier oder Karton -fällt in seiner Stofflichkeit verschieden aus und auch seine Tönung spielt eine gewisse Rolle - das Weiß kann hell und leuchtend sein, aber auch grau oder gelblich-matt. Besonders wenn es im fertigen Bild an manchen Stellen von Farben nicht bedeckt wird, bringt es seinen eigenen Klang ein. Ebenso ist die Art des Papiers wichtig und für die Wirkung eines Bildes mitentscheidend: ist es glatt oder rau, weich oder hart, welche Struktur weist es auf. Die Reaktion des Pinsels hängt von der Oberfläche ab; daraus ergeben sich Verteilung, Intensität und auch Struktur der aufgetragenen Farbe. Und noch ein Weiteres soll erwähnt werden: Viveros verwendet zwei Arten des Malens: zum einen das Nass-in-Nass-Malen, bei dem das Blatt vor dem Malen gänzlich mit Wasser getränkt und deckend auf eine Glasplatte gelegt wird. Die andere Malweise besteht darin, das trockene Blatt auf einer harten Holzplatte mit Klebestreifen zu befestigen und dann zu bemalen.
Die vorangegangenen technischen Details sind nicht unwichtig, sie bestimmen die Bildwelt des Künstlers mit. Viveros verwendet eine - dem Médium adáquate - gleichsam transparente Ästhetik. Das heißt, der Prozess der Herstellung, also des Malens, bleibt erkennbar. Viveros will kein augentäuschendes Abbild der Realität schaffen, keine detailgetreue Reproduktion, sondern Eindrücke wiedergeben, die weit über den ausgewählten Bildgegenstand hinausgehen. Viveros' Schöpfungen sind nicht erfunden, sie zeigen bestimmte Orte aus bestimmten Perspektiven zu einer bestimmten Zeit. Und gehen darüber hinaus.
Viveros beobachtet Landschaft, Architektur, Gegenstände. Schaut genau hin, über eine lange Dauer. Doch dann richtet sich seine Aufmerksamkeit auf das Blatt, und die Arbeit vollzieht sich aus der Erinnerung. Umrisse, Silhouetten, Flecken, Tupfer, geschweifte Konturen und Liniennetze, schwimmende Übergänge und zarte Schleier, Dunkelzonen und Lichtblitze bestimmen die Blattfläche und nicht die sichtbare Darstellung konkreter Erscheinungen. Auch wenn solche durchaus auftauchen, sind sie doch Teil einer künstlerischen Komposition, die nicht festlegt, bestimmt und ausmisst, sondern die andeutet, umschreibt, die sichtbar macht, was über das nur Gesehene hinausgeht, die Stimmungen beschwört, die alle Sinne anspricht. Viveros' Bilder haben deshalb oft auch etwas Träumerisches, das die Realität nur als Ausgangspunkt nimmt. Es ist, als ob er durch die Dinge hindurch sähe und Verborgenes hervorholte, das mit Worten nur schwer zu beschreiben ist. Deshalb auch seine gedämpften Farben, das Unbunte, das Schwebende und Fließende seiner Kompositionen, das Melodische und Rhythmische. Bilder - aus dem Wasser geboren. Und Bilder - gesehen mit Augen der Phantasie.
Manchmal kommt Viveros der Abstraktion sehr nahe. Streift sie ein wenig. Aber sein untrüglicher Sinn für die Wirklichkeit, lässt ihn dieser nie ganz entraten. Sie bleibt der Ausgangspunkt seiner malerischen Exkursionen, der Anstoß, der ihn stimuliert. Währenddessen führen Farben und Formen durchaus ihr geheimnisvolles Eigenleben. Je nach Wahrnehmung lassen sich verschiedene Gestaltungen assoziieren, ergeben sich neue Konstellationen von Formen. Viveros' Bilder sind vielschichtig. Sie geben dem Einfühlungsvermögen des Betrachters Raum. Sie gängeln ihn nicht, sondern regen an zu eigenen Erkundungen und Sehgenüssen.
Ich habe die bisherigen Ausstellungen von Guillermo Viveros bis zur heutigen Zeit nicht gezählt. Mit Bestimmtheit kann ich aber sagen, dass seine erste Einzelausstellung schon vor vierzig Jahren stattgefunden hat - damals, noch während seines Studiums, in einem Ausstellungssaal seiner ehemaligen Schule Enrique Molina Garmendia in Concepción. Seitdem ist viel geschehen in der Welt, in Chile ebenso wie in Deutschland. Viveros hat es am eigenen Leib zu spüren bekommen. Seiner Kunst hat dies keinen Abbruch getan. Sie bleibt davon fast unberührt. Mehr noch. Sie ist für ihn wie auch für den Betrachter eine nicht versiegende Kraftquelle, die über die Unbilden des Alltags und existenziellen Bedrohungen hinweg Bestand hat.
Michael Nungesser, Berlin, den 9. Juli 2002

Nacido en Concepción y exiliado en Europa, el acuarelista acude siempre al paisaje sureño para sus obras de gran lírica y emoción, donde la técnica de las aguadas es manejada en distintas modalidades, ya sea sobre papel seco o completamente humedecido.
La exposición que hasta octubre mantiene en la Sala 4 de la Casa del Arte, reúne trabajos suyos realizados entre 1962 y 2003, acuarelas todas sin mayores estridencias, delicadas en conversaciones íntimas sostenidas con el artista.
"Cada obra de esta exposición, asume la totalidad de rasgos que definen el trabajo poético; inteligencia en el manejo del lenguaje –creación de un ámbito adecuado para la expresión personal-, develamiento del aspecto desconocido de una realidad que se despliega cotidianamente ante nosotros –invención técnica-, reinvención de las bases sensibles en que se apoya nuestra intuición del mundo", dice en el catálogo el artista plástico Pedro Millar.
Por su parte, el mismo Viveros señala que "la lírica de mi acuarela tiene que ver con el ambiente donde nací. En el Sur se pueden ver los fundidos de cerros y el color de la lluvia".

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